Ein blinder Gast steht gemeinsam mit seinem Begleiter am Strand. Beide drehen dem Betrachter den Rücken zu und blicken auf das offene Meer

Wie begleite ich einen blinden oder sehbehinderten Gast auf Reisen?

Bereit für einen Perspektivwechsel?

Als sehender Reisegast begleiten Sie einen blinden oder sehbehinderten Mitreisenden ein Stück des Weges – helfen bei der Orientierung, beschreiben Landschaften, Plätze oder besondere Momente. Dabei passiert oft etwas Überraschendes: Man beginnt selbst genauer hinzuschauen und nimmt Dinge wahr, die einem zuvor noch nie aufgefallen sind. Durch den täglichen Wechsel unserer Tandems aus blinden und sehenden Gästen, lernen Sie jeden Tag jemand anderes kennen, erfahren über dessen Eindrücke und reisen auf diese Art sehr kommunikativ und in einer Gruppe mit freundschaftlicher Atmosphäre.

Was sind meine Aufgaben bei der Begleitung einer blinden oder sehbehinderten Person?

Blinde und sehbehinderte Menschen gestalten ihren Alltag in der Regel völlig selbstständig. Nur in unbekannter Umgebung benötigen sie Unterstützung, um sich orientieren und fortbewegen zu können. Ihre Aufgaben als sehender Reisegast während der Reise lassen sich mit zwei Worten beschreiben: Begleiten und Beschreiben.

Beim Begleiten helfen Sie einer blinden oder sehbehinderten Person, während des Reiseprogramms unterwegs zurechtzukommen. Dabei hält sich die blinde oder sehbehinderte Person an Ihrem Arm oder an einem Band, das Sie in der Hand halten, fest und Sie achten auf mögliche Hindernisse auf dem Weg, bzw. weisen kurz darauf hin, wenn sich die Wegbeschaffenheit ändert (zum Beispiel „Treppe runter“, „Bordstein rauf“).

Beim Beschreiben teilen Sie der blinden oder sehbehinderten Person mit, wenn Ihnen selbst etwas Interessantes in der Umgebung auffällt. Sie lassen sie also an Ihren ganz individuellen Beobachtungen im Reiseland teilhaben. Für weitere mögliche Hilfestellungen (zum Beispiel beim Vorlesen der Speisekarte im Restaurant, beim Frühstücksbuffet etc.) sind die Reiseleiter/innen zuständig.

Was soll ich alles beschreiben?

Das, was Ihnen selbst auffällt und Ihnen interessant erscheint. Haben Sie eine schöne Blume oder ein interessantes Haus entdeckt? Dann beschreiben Sie es Ihrem blinden Mitreisenden und Sie werden merken, dass Sie sehr dankbare Zuhörer haben! Natürlich müssen Sie keine kunsthistorischen Vorträge halten oder eine Stadtführung durchführen – dafür sind selbstverständlich unsere qualifizierten und ortskundigen Reiseleiter zuständig.

Woher weiß ich, wie ich richtig führen und mich verhalten soll?

Eines vorweg: eine blinde oder sehbehinderte Person zu begleiten, macht es im Prinzip nicht erforderlich besondere Voraussetzungen oder Erfahrungen zu haben. Hilfreich ist es lediglich, wenn Sie Freude am Kommunizieren haben. Sie erhalten von uns im Voraus einen schriftlichen Leitfaden, der die wichtigsten Techniken und Hinweise zur Begleitung einer blinden oder sehbehinderten Person vorstellt. Zu Beginn der Reise können Sie vor Ort, im Rahmen einer Einführung, noch einmal alle offenen Fragen klären.

Jede Reise wird durch zwei Reiseleiter/innen begleitet, die Ihnen selbstverständlich bei allen Problemen oder Fragen zur Verfügung stehen.

Was für Vorteile habe ich von solch einer Reise?

Sie werden in vielerlei Hinsicht von einer tour de sens Reise profitieren. Davon zeugen auch die vielen positiven Feedbacks, die wir sowohl von sehenden als auch von blinden oder sehbehinderten Gästen erhalten.

  • Sie werden eine spannende, geführte und komplett organisierte Reise zu einem stark reduzierten Preis erleben (bis zu 50% günstiger als bei vergleichbaren Angeboten)
  • Da die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen berücksichtigt werden, erleben Sie ein exklusives Programm für alle Sinne. Wir machen keine gewöhnlichen Sightseeing-Touren. Unser Reiseprogramm beinhaltet immer eine Mischung aus kulturellen und historischen Themenführungen, aus aktiven Inhalten (Wandern, etc.) und aus Programmpunkten, die besonders die nicht-visuellen Sinne ansprechen (Verköstigungen, Konzerte, Geruchsführungen, etc.). Sie erleben also einen ganzheitlichen Urlaub mit besonders einprägsamen und vielseitigen Erlebnissen, die tiefe Einblicke in das Reiseland ermöglichen.
  • Die Reisegruppen sind klein (max. 16 Personen) und werden durch zwei Reiseleiter/innen begleitet. Unsere Reisen verlaufen in einem geruhsamen Tempo, ohne Hast.

Bin ich die gesamte Zeit während der Reise für die Begleitung verantwortlich?

Sie begleiten die blinde oder sehbehinderte Person nur während des gemeinsamen Programmablaufs. Es gibt halbe oder ganze Tage zur freien Verfügung bzw. mit einem optionalen Programmpunkt, bei dem jeder seinen eigenen Weg gehen kann. Wie bei einer Gruppenreise üblich, werden Sie jedoch den Großteil Ihrer Zeit zusammen mit der Gruppe und einer blinden oder sehbehinderten Person verbringen.

Bin ich die gesamte Reise über mit der gleichen Person zusammen?

Nein. Die Zweier-Kombinationen wechseln jeden Tag durch, sodass alle einmal zusammen unterwegs waren und sich kennen lernen können.

Muss ich beim Essen helfen?

Blinde und sehbehinderte Personen können selbstständig essen. Hilfe benötigen sie jedoch vor allem beim Frühstücksbuffet und beim Vorlesen der Speisekarte. Diese Aufgaben übernimmt zumeist die Reiseleitung. Bei den gemeinsamen Mittag- und Abendessen helfen Sie so, wie Sie es für richtig halten, bzw. so, wie es der generellen Freundlichkeit entspricht (Nachschenken, etc.).

Unterstütze ich bereits bei der Anreise einen blinden oder sehbehinderten Reisegast?

Nein, in der Regel nicht. Die Anreise gehört bei den meisten Reisen nicht zu unseren Leistungen. Jeder reist daher individuell an und Sie können von Ihrem Heimatflughafen oder –bahnhof anreisen. Sie werden dann vom Flughafen abgeholt und treffen auf die Gruppe im Hotel. In manchen Fällen gibt es mehrere Teilnehmer/innen, die aus der gleichen Stadt anreisen. Wenn von Ihnen erwünscht, koordinieren wir in diesem Fall die gemeinsame Anreise.